Miriam Hüning

So-ist-es-gewesen, so-könnte-es-gewesen-sein, Sein und Schein, Fakt und Fiktion sind Bereiche, die mich beschäftigen. Ich befasse mich dadurch mit den Themen Wahrnehmung und Reproduktion. Meine Collage besteht aus erworbenen Fotomaterial. »Appropriation Art« ist der Begriff für die Aneignung von fremdem Material und dem künstlerischen Umgang damit. Meine Ausgangsfotografien stammen aus Martin Rosswogs Buch »Inside Houses«, in dem Farbfotografien von Innenräumen des südöstlichen Europas zu finden sind. Ich nehme die dokumentarischen Fotografien von Martin Rosswog und inszeniere diese neu. Es werden von mir nicht Räume durch die Anordnung fotografischer Teile im Raum nachgebaut, sondern ich erstelle neue Räume, indem ich Objekte hinzuaddiere oder andere mittels Überlagerung verberge. Eine Ebene, die Martin Rosswog nutzt, ist die Vermittlung zwischen dem Medium und dem Rezipienten. Die Abbildung der Abbildung dient dazu, das Kunstwerk zu erweitern. Das Originalfoto wird von der ursprünglichen Absicht entleert. So erhöht sich die Grenze zwischen der Dokumentation und der Inszenierung. Die Fotografien von Martin Rosswog, geben mir Hinweise zu einer Inszenierung. Zum Beispiel durch die Abwesenheit von Staub. Das Mittel der Überbelichtung wird eingesetzt und dem Betrachtenden gezielt der Außenraum nicht präsentiert. Die Motive sind ländliche Ansichten, die den Zusammenhang von Vergehen und Werden darstellen und den Begriff von Tradition aufgreifen, indem sie alt und ganz neu kombinieren. Je nach Aufnahmeort variieren die Farbigkeiten. Es finden sich beispielsweise Arrangements von Dekorativem und Nützlichem. Die Spuren von der Moderne lassen sich wiederfinden wie zum Beispiel in Form eines Kühlschrankes oder eines Sicherungskastens. Die Technik erhält Einzug in die Einrichtungen. Durch die Aneignung lege ich meinen Zweck und meine Bestimmung in die gebauten Szenerien. Ich biete einige neue Hinweise einer Inszenierung dar etwa mit Papierkanten, bräunlichen Stellen eines Kartons und dem neutralen Boden. Die Faktoren von einer Reproduktion verändern sich und damit auch Zeit, Ort und Raum, in dem die Fotografien auftauchen. Meine acht Fotografien mit dem Titel »After Martin Rosswog« sind mit Passepartout 40 × 50 cm groß und die Fotografien haben fast eine eins zu eins Größe zu meinem Originalkarton.

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