Miriam Hüning

Meine Collage, die den Titel »Untersuchung der Wahrnehmung von Gefügen« trägt, behandelt die Themen Architektur und Sinneswahrnehmung. Im Prozess stellen sich mir die Fragen: Ab wann wird ein Raum ein Raum? Wann nehmen wir aus einer zweidimensionalen Fläche einen dreidimensionalen Raum wahr? Wie stark kann das Wissen über die Perspektive unsere Sichtweise lenken? Die Verwertung, die Neuinterpretation und die Wiederaufbereitung stellen den Mittelpunkt meiner Analyse dar. Auch die Künstlichkeit kommt zur Sprache. Alle architektonischen Gefüge bestehen in ihrem künstlichen Zusammenspiel und sind imaginär. Der transparente Werkstoff in unserem Zeitalter macht die Schnelllebigkeit möglich. Er unterstützt mit seiner Durchlässigkeit und Empfindlichkeit den Gedanken der Digitalität. Das Digitale, dass nur so lange Bestand hat, bis es von neuer Technik überholt wird. Zu Beziehungsgeflechten führt mich die Analyse von Raumstrukturen. Die Beziehungen zwischen verschiedenen Formen durch Überlagerung, zwischen unterschiedlichen eingesetzten Materialien und zwischen der Fotografie und der Fläche an sich. Ich löse mit meiner Montage Teile aus ihrem ursprünglichen Kontext und füge sie neu zusammen. Ihnen wird durch den neuen Kontext eine neue Bedeutung zugewiesen. Die simultane Perspektive widerspricht unserer Wahrnehmung und löst Fragen im Betrachtenden aus. Die unregelmäßige Abfolge von neu erzeugten und wiederkehrenden Teilen erschafft einen Rhythmus. Einzelne Fragmente der Realität aus Straßenszenen bilden mit Grauflächen eine Einheit. Die mit Tusche geschwärzte Fläche ist mein eigener erschaffener Schatten, erstellt durch eine von mir gesetzte Lichtquelle. Die zwei Materialien verbinden sich. Bild und Abbild gehen eine Symbiose ein. Aus der einen langen Collage sind bewusst drei Fragmente ausgewählt, die alleine oder auch als Einheit agieren. In der Anordnung der drei Fragmente bietet das einzige zweidimensionale Element den Einstieg für den Betrachter. Die zwei dreidimensionalen Elemente stellen durch Unterschiedlichkeiten in der Gesamtheit mehr Brüche dar. Das Falzen erzeugt Dreidimensionalität grenzt sich von digitaler Genauigkeit ab und erzeugt Unplanmäßigkeiten. Die Formen, die sich durch das Falzen ergeben, zeigen einen Rhythmus an. Sie stoppen oder beschleunigen unsere Blicke und präsentieren Hinweise für eine Betrachtung oder verschleiern.

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